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Schulz stellt Gerechtigkeit in den Mittelpunkt

Schulz stellt Gerechtigkeit in den Mittelpunkt

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erwähnte Schulz in seiner Rede rund 75-minütigen Rede nicht ein einziges Mal. Als "alten Wahlkampfschlager" und "Wahlgeschenkprogramm der CDU/CSU" kanzelte er unter anderem aber die von der Union in Aussicht gestellten Steuersenkungen ab.

Eine Koalition mit SPD und Linken wäre eine Möglichkeit für die Grünen, in die Regierung zu kommen. Mit ihm an der Spitze habe die SPD eine Landtagswahl nach der anderen für sich entschieden. "Wer in einer Pegida-Demonstration mitläuft, legt die Axt an den Stamm der Demokratie", sagte Schulz und rief zu zivilgesellschaftlichem Engagement auf. Der bisherige Parteichef Sigmar Gabriel hatte mit Sicht auf seine schlechten Wahlchancen in der anstehenden Kanzlerwahl gegen Angela Merkel verzichtet.

Wie immer in den vergangenen Wochen seit Gabriels Ankündigung musste das den jetzigen Aussenminister auch ein wenig schwermütig stimmen, obwohl er verneinte, mit Melancholie abzutreten. Klar, da ist die Erzählung vom kleinen Mann, der sich nach oben gekämpft hat, die Schulz bestens bedient - "ihr kennt mich", sagt der einstige Alkoholiker und Schulabbrecher, "ihr wisst, wo ich herkomme". Wer, wenn nicht wir, das ist sein Schlachtruf.

Die SPD ist eine Partei, die gefühlsmässig zu Extremen neigt.

Ein solches Ergebnis gab es in der SPD-Geschichte noch nicht. "Der Trend ist wieder ein Genosse, und so soll es bleiben", sagte er.

605 von 605 gültigen Stimmen, drei Stimmen waren ungültig. Der frühere Präsident des Europaparlaments erzielte damit in der Bundesrepublik historisch einmalige 100 Prozent Zustimmung. Da wünschen sich viele einen neuen Aufbruch, zu dem dann auch ein neues Gesicht gehört.

Nur an einer Stelle griff Schulz CDU und CSU direkt an. Vor allem aber muss er sagen, für welche Neujustierungen der Politik ein Bundeskanzler Martin Schulz denn stünde. Das Verdienst von Martin Schulz ist schon jetzt, dass er den Wahlkampf interessant macht.

Berlin Der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat der Partei ihr Selbstwertgefühl wiedergegeben.

"Ich glaube, dass dieses Ergebnis der Auftakt zur Eroberung des Kanzleramtes ist", sagte der 61-Jährige. Eine Wiederauferstehung, ebenso spektakulär wie unerwartet. Euphorie und Leidenschaft sind zurückgekehrt in die Reihen der Partei und ihrer Anhänger. Erstens: Die SPD dürfe "nicht vergessen, dass wirtschaftlicher Erfolg und soziale Gerechtigkeit zwei Seiten der selben Medaille sind", so Gabriel: Unternehmer seien "Partner, nicht der Klassenfeind". Aber eine vernünftige Sicherheitspolitik heißt eben nicht Panzer zählen, Verteidigungsausgaben in irrsinnige Höhen treiben und Rüstungsspiralen anheizen. Die Sozialdemokraten erarbeiten derzeit ein Steuerkonzept unter Leitung von Parteivize Thorsten Schäfer-Gümbel.

Dabei verwies Gabriel auf das Mitgliedervotum zum Eintritt in die große Koalition 2013.

Die Frage ist nur: Wird dieser Rausch bis zur Bundestagswahl anhalten?

"Was Schulz von den vielen Vorgängern - den Becks, Platzecks, Münteferings, Steinmeiers, Steinbrücks - unterscheidet, die die SPD alle mehr oder weniger schnell verschlissen hat?" Rund fünf Minuten klatschten sie stehend ihrem Sigmar Beifall - kaum eine Partei liebt ihre Chefs NACH dem Rücktritt so sehr wie die Sozialdemokratie! Wenn dies gelinge, dann seien Menschen "auch nicht so anfällig für die einfachen Botschaften der Verführer".

Schulz schloss sodann eine Grundsatzrede zur Lage Deutschlands und Europa an, machte jedoch zu Beginn gleich eins klar: "Ich werde heute keine programmatische Rede halten, dafür haben wir einen eigenen Parteitag". Schulz erzählte wiederum freimütig über seinen Schulabbruch, die verpasste Karriere als Profifußballer und dass er schließlich Zuflucht im Alkohol suchte. Immer wieder kam er zu seiner Schlüsselaussage zurück: "Ich möchte, dass der einzelne Mensch Respekt bekommt", sagte er mehrmals.